7. November 2010

Qantas A380 Zwischenfall: Suche nach dem warum!

War es ein Material- oder ein Konstruktionsfehler? Airbus sucht nach der Ursache für den Defekt an der Qantas-Maschine, die in Singapur notlanden musste. Es gibt Vermutungen, aber keine Beweise.







Das war nicht vorgesehen. „Da wurden so hohe Energien freigesetzt, dass Teile an der Seite des Triebwerks rausgeflogen sind“, erläutert ein Insider. So etwas dürfe nicht passieren. Die Motoren der Flugzeuge sind so konstruiert, dass bei einem Defekt zerstörte Komponenten nach hinten aus dem Triebwerk geschleudert werden, um Schäden an Flügeln und Rumpf zu vermeiden.
Doch die Fotos vom Qantas-Superjet, der in Singapur notlande musste, zeigen eins eindeutig: Teile der Seitenverkleidung des Triebwerks wurden zerfetzt. Es gebe Ahnungen, was da passiert sei, aber bislang keine Beweise, heißt es. Die alles entscheidende Frage lautet: War es ein Material- oder ein Konstruktionsfehler oder wurde einfach nur bei der Wartung geschlampt?
Der Triebwerksbauer Rolls-Royce steht heftig unter Druck. Das britische Unternehmen riet am Donnerstagabend Qantas, Singapore Airlines und der Lufthansa die Motoren der A380-Jets zu inspizieren. Es sollte einiges vorsorglich überprüft werden, „um einen sicheren Flugbetrieb der Flotte sicherzustellen“, heißt es in einer dürren Mitteilung. Der europäische Flugzeugbauer Airbus schloss sich diesem Rat an.
„Die Untersuchungen wurden erfolgreich abgeschlossen, und Techniker haben nichts gefunden“, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Freitag der Frankfurter Rundschau. Ein A380-Flug startete gestern pünktlich um 13.30 Uhr in Richtung Tokio. Zuvor waren schon die vier Triebwerke des zweiten Riesenjets der Fluglinie in der japanischen Hauptstadt durchgecheckt worden, er kam deshalb verspätet in Frankfurt an. Und der dritte A380 wurde bereits am Donnerstag unter die Lupe genommen, er konnte deshalb nicht nach Johannesburg fliegen. Stattdessen wurde ein kleinerer A340 eingesetzt. Auch Singapore Airlines gab ihre elf A380 Maschinen nach einer außerplanmäßigen Inspektion wieder für den Flugbetrieb frei. Nur bei Qantas sollen die sechs A380-Flieger bis zu 48 Stunden am Boden bleiben. Experten von Rolls-Royce und Airbus wollen die Triebwerke eingehend prüfen. Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat sich in die Untersuchungen eingeschaltet.
Die bisherigen Überprüfungen dauerten einige Stunden und verliefen nach folgendem Prinzip: Es wurde bei dem Qantas-Jet in Singapur nachgeschaut, welche Bauteile durch die Explosion im Triebwerk zerstört wurden. Diese Komponenten wurden dann auch bei den 19 anderen Jets inspiziert. Die 17 übrigen A380-Maschinen, die derzeit von Air France und Emirates betrieben werden, sind von den Problemen nicht betroffen, da sie mit Triebwerken des Konsortiums Engine Alliance bestückt sind.
Für Qantas-Chef Alan Joyce liegt die Ursache des Defekts am Jet seiner Firma entweder am Design des Aggregats, oder das Material habe den Anforderungen für das Triebwerk nicht genügen können. Dass bei der Instandhaltung etwas schiefgelaufen ist, hält er für ausgeschlossen. Der Qantas-Airbus ist seit zwei Jahren im Dienst, eine Überholung der Motoren war noch längst nicht fällig. Bis die Ursache des Brandes endgültig gefunden ist, kann nach Einschätzung von Experten bis zu einem Jahr vergehen.
Probleme mit den Rolls-Royce-Aggregaten sind allerdings seit einigen Wochen bekannt. Die EASA machte schon im August darauf aufmerksam, dass es zu vorzeitigem Verschleiß von Bauteilen kommen könnte. Die Folgen könnten Triebwerksausfall während des Fluges, austretendes Öl und ein Ölbrand im Innern sein.
Ein EASA-Sprecher sagte aber der FR, es gebe keinerlei Zusammenhang zwischen der Warnung vom August und dem Vorfall in Singapur. Der Warnhinweis sei eine Routine-Angelegenheit, von der seine Organisation Hunderte im Jahr herausgebe.
Vieles deutet indes darauf hin, dass der Schwarze Peter bei Rolls-Royce landen wird. Das britischen Unternehmen stellt nicht nur den Antrieb für den A380 her. Es kontrolliert auch die Wartung. Da dürfen nämlich nur Firmen ran, an denen die Briten mit mindestens 50 Prozent beteiligt sind. Deshalb wird die Instandhaltung für die Superjets der Lufthansa von der Firma N3 Engine Overhaul Services aus Arnstadt gemacht, ein Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa-Technik und Rolls-Royce.
Sprecher des britischen Unternehmens wollten gestern nichts zu Details des Defekts sagen. Sie verwiesen nur auf die Empfehlung an die Fluggesellschaften.
Die Explosion ist nicht der erste Zwischenfall bei einem A380. Im August wurde bei einer Maschine kurz vor der Landung ein Triebwerk abgeschaltet, weil der Öldruck stark schwankte. Im September 2009 musste ein A380 nach Paris zurückkehren, weil einer der Motoren ausgefallen war. Mehrfach gab es Probleme mit geplatzten Reifen und verschmorten Kabeln. Der Grund für die Defekte liegt nach Ansicht von Experten in der hohen technischen Komplexität des Flugzeugs, das unter erheblichem kommerziellen Druck im Zweikampf gegen Boeing entwickelt wurde. Airbus lieferte den ersten A380 erst im Herbst 2007 aus – fast 18 Monate später als vereinbart.

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